Schönschrift - Ausgabe 5 - Seite 4

IDEAL IST,
WAS SCHWER ZU ERREICHEN IST

Salzburger Nachrichten, 11. MÄRZ 2009/ Gudrun Doringer

 

Was schön ist, ist relativ. Es hängt vom jeweiligen Betrachter abund von der Zeit, in der er lebt. Also müsste Walther Jungwirth, plastischer Chirurg in Salzburg, über das heutige Schönheits-ideal ganz gut Bescheid wissen.

 

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SN: Für ein Model von heute hätte ein barocker Maler seine Staffelei wohl nicht ausgepackt. Wie hat sich das Ideal einer schönen Frau im Lauf der Zeit geändert?
Jungwirth: Das sind immer Extreme – einmal ganz dick und einmal ganz dünn. Man will immer das, was schwer zu erreichen ist. In der Steinzeit, als esganz schwer war, eine solche Leibesfülle zu erreichen, wurde die Venus vonWillendorf vergöttert. Heute, wo wir im Überfluss leben und es umgekehrt schwer ist, eine schlanke Figur zu behalten, will man genau die. So hat jede Zeit andere Schönheitsideale.
SN: Manchmal haben diese Ideale auch Namen, sie werden an bekannten Gesichtern festgemacht. Können Sie solche Namen nennen?
Jungwirth: In den 50ern war es Marilyn Monroe – eine sehr weibliche Figur also. Danach wurde die magere Miss Twiggy zum Schlankheitsideal, ein sehr flachbrüstiger Frauentyp. Etwas später wurde ein sehr androgyner Typ modern: Kurzhaarfrisur, überhaupt nicht sexy, fast schon männlich – Models mit hängenden Mundwinkeln liefen über die Laufstege, die Ablehnung gegen so ziemlich alles ausdrückten.
SN: Wunderschön
Jungwirth: Ja, mir hat das auch nicht so gefallen. In den letzten Jahren hat sich ein weiblicher Machotyp durchgesetzt – so wie Lara Croft oder Catwoman. Männerfressend, unschlagbar, aber zugleich erotisch mit großen Brüsten.
SN: Wie sieht denn der ideale Mann dazu aus?
Jungwirth: Die Muskelpakete sind out. Die Muskelmasse geht zurück, Attraktivität ist wichtiger. Diese Anforderungen an den Mann haben sich mit seinem Rollenbild geändert.
SN: Wenn sich Schönheitsideale rasch ändern, ist das gut für Ihr Geschäft, oder?
Jungwirth: Meine Operationen sind fürs Leben. Ich unterhalte mich vorher sehr eingehend mit meinen Patientinnen oder Patienten. Wenn ich merke, dass jemand nur eine Kurzschlussaktion vorhat, schicke ich sie oder ihn wieder heim. Aber wenn sich jemand schon lang eine schöne Nase wünscht, dann bleibt die schön – auch wenn sich die Ideale wandeln. So etwas soll nicht von Modetrends abhängig sein.
SN: Machen die Menschen die Mode oder macht die Mode die Menschen?
Jungwirth: Manchmal macht die Mode Menschen. Zum Beispiel die Hüfthosen: Manche Frauen würden da eine Wulst drüberhängen haben. Das wollen sie sich dann absaugen lassen. Da rate ich aber auch einigen, dass sie einfach nur ein paar Kilo abnehmen.
SN: Die Ideale sind also abhängig davon, wann man lebt – sind sie auch abhängig davon, wo man lebt?
Jungwirth: Auf jeden Fall. In Asien ist zum Beispiel fast keine Gesichtscreme ohne Bleichmittel zu finden, während bei uns Selbstbräuner verkauft werden. Oder in den USA: Da ist bei Brustvergrößerungen die Devise, je größer, desto besser. Bei uns ist den Frauen wichtig, dass ihre Brustvergrößerung nicht als solche erkennbar ist. Sie tragen vorher schon einen Wonderbra, den sie dann eben weglassen. Alles soll trotz der Operation noch natürlich aussehen.
SN: Was finden Sie denn schön?
Jungwirth: Ich? Ich finde jemanden schön, der glücklich ist und das auch ausstrahlt. Es kann also jeder schön sein, ganz egal,wie er aussieht.

 

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Update: Februar 2012